Karneval auf Sardinien ist nicht nur Konfetti und Festwagen. Hier, zwischen Bergen, Hochebenen und Steindörfern, ist der Karneval ein uraltes, kraftvolles und geheimnisvolles Ritual. Es ist ein Fest, das tief in pastoralen und heidnischen Traditionen verwurzelt ist und bis heute von den lokalen Gemeinschaften mit großer Intensität gelebt wird.
Wenn ihr mit dem Wohnmobil, Campervan oder Caravan unterwegs seid, ist das eine der spannendsten Zeiten, um eine Reise nach Sardinien zu planen. Die Straßen sind ruhig und die Atmosphäre in den Dörfern ist authentisch. Außerdem könnt ihr die Karnevalsfeste mit wunderschönen Ausflügen auf Sardinien kombinieren, zwischen Natur, Archäologie und kleinen Orten mit besonderem Charme.
Karneval auf Sardinien: zwischen uralten Riten und zeitlosen Dörfern
Die eindrucksvollsten Feste und was es in der Umgebung zu sehen gibt
Der sardische Karneval unterscheidet sich stark von dem in großen Städten. Hier findet ihr nicht nur bunte Umzüge, sondern auch unheimliche Masken, dröhnende Glocken, Pferde im vollen Galopp und Riten, die die tiefste Geschichte der Insel erzählen.
Jede Region hat ihren eigenen Karneval, mit unterschiedlichen Symbolen, Kostümen und Bedeutungen. Genau deshalb ist das Reisen mit Wohnmobil oder Caravan in dieser Zeit perfekt: Ihr könnt ganz entspannt von Ort zu Ort fahren und innerhalb weniger Kilometer völlig verschiedene Traditionen entdecken.
Mamoiada und die mamuthones
Der ikonischste Karneval Sardiniens
Im Herzen der Barbagia, zwischen Hügeln und Weinbergen, bewahrt das kleine Dorf Mamoiada eines der faszinierendsten und geheimnisvollsten Karnevalsrituale Europas. Hier ist der Karneval keine folkloristische Show für Touristen, sondern eine Tradition, die tief in der Gemeinschaft verankert ist und von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Die absoluten Protagonisten sind die mamuthones und die issohadores. Die mamuthones tragen dunkle Holzmasken mit strengem, regungslosem Ausdruck und sind in schwere schwarze Schafsfelle gehüllt. Auf dem Rücken tragen sie eine Reihe großer Glocken, die zusammen über dreißig Kilo wiegen können. Ihr Schritt ist langsam und rhythmisch, fast hypnotisch. In der Gruppe bewegen sie sich synchron und erzeugen einen tiefen, pulsierenden Klang, der durch die Gassen des Dorfes hallt.
An ihrer Seite stehen die issohadores, gekleidet in eine rote Jacke, ein weißes Hemd und eine helle Maske. Im Gegensatz zu den mamuthones bewegen sie sich leicht und wendig. In den Händen halten sie ein Seil, die sogenannte soha, mit der sie Menschen aus dem Publikum symbolisch „einfangen“. Dieser Brauch gilt als Glücksbringer und steht für Fruchtbarkeit, Glück und Wohlstand.
Der Ursprung dieses Rituals ist uralt und bis heute von Geheimnissen umgeben. Einige Forschende bringen es mit kultischen Handlungen aus der Landwirtschaft und der Hirtenwelt in Verbindung, andere mit vorchristlichen Feiern, die böse Geister vertreiben und die Rückkehr des Frühlings begünstigen sollten. So oder so: Den Umzug der mamuthones zu erleben ist nicht wie ein gewöhnlicher Karneval, sondern eine intensive, beinahe feierliche Erfahrung, die die ganze Kraft sardischer Traditionen spürbar macht.
Nach dem Umzug könnt ihr das Museo delle maschere mediterranee in Mamoiada besuchen. Dort sind Masken aus verschiedenen Regionen Sardiniens und aus anderen europäischen Ländern ausgestellt. Der Rundgang hilft euch, die symbolische Bedeutung der Masken zu verstehen und den Zusammenhang zwischen Karnevalsriten und ländlichem Leben zu entdecken.
Oristano und die Sartiglia
Pferde im Galopp und Sterne zum Aufspießen
An der Westküste Sardiniens erlebt Oristano den Karneval spektakulär und zugleich feierlich dank der Sartiglia, einem der ältesten und faszinierendsten Reiterspiele im Mittelmeerraum. Ihre Ursprünge reichen ins Mittelalter zurück und stehen vermutlich auch im Zusammenhang mit der spanischen Herrschaft, doch bis heute hat das Ereignis eine rituelle, fast sakrale Atmosphäre bewahrt.
Die Sartiglia findet am Karnevalssonntag und -dienstag statt und verwandelt die Altstadt in eine große Bühne. Im Mittelpunkt steht Su Componidori, eine geheimnisvolle, beinahe königliche Figur. Er wird in einem sehr präzisen Ritual, der vestizione, eingekleidet: ein reich verziertes Gewand und eine ausdruckslose weiße Maske. Von diesem Moment an ist er nicht mehr nur eine Person, sondern ein Symbol, das Glück für das kommende Jahr verkörpert.
Die corsa alla stella ist der am meisten erwartete Moment. Die Reiter, in traditionellen Kostümen und eleganten Masken, stürmen im Galopp die Hauptstraße der Altstadt entlang und versuchen, mit dem Schwert einen metallenen Stern aufzuspießen, der über der Straße hängt. Je mehr Sterne getroffen werden, desto glücklicher soll das Jahr für die Stadt und die Region werden.
Nach dem Ritt geht es weiter mit den spektakulären pariglie. Die Reiter zeigen Akrobatik auf galoppierenden Pferden und bilden Figuren und menschliche Pyramiden. Das ist ein mitreißender Moment, in dem Tradition, Können und Mut zu einem einzigartigen Spektakel verschmelzen.
Wenn ihr Natur und Archäologie liebt, könnt ihr anschließend zur Sinis-Halbinsel weiterfahren, nur wenige Kilometer von Oristano entfernt. Dort findet ihr die archäologische Stätte Tharros, eine antike Stadt, die von den Phöniziern gegründet und später von den Römern erweitert wurde, direkt am Meer. Nicht weit entfernt liegt auch der Strand Is Arutas, berühmt für seinen Sand aus winzigen, weißen und bunten Quarzkörnchen. Selbst im Winter ist die Landschaft hier spektakulär und perfekt für einen Spaziergang am Meer.
Tempio Pausania und der Karneval der Gallura
Bunte Umzüge im Herzen der Gallura
Im Norden Sardiniens, im Herzen der Gallura, veranstaltet Tempio Pausaniaeinen der lebhaftesten und beliebtesten Karnevale der Insel. Die Atmosphäre ist hier anders als bei den archaischen Riten der Barbagia: Der Karneval der Gallura ist farbenfroh, ironisch und wird von der ganzen Gemeinschaft getragen.
Die Straßen der Altstadt, mit ihren hellgrauen Granithäusern, werden zur Bühne für Umzüge, Musik und Feste unter freiem Himmel. Die Wagen greifen mit Humor aktuelle Themen, lokale Figuren und gesellschaftliche Fragen auf und schaffen eine fröhliche, ansteckende Stimmung.
Die Hauptfigur ist Re Giorgio, eine symbolische Gestalt, die den Geist des Karnevals verkörpert. Er ist ein grotesker, unterhaltsamer Charakter, oft dargestellt als ein etwas dekadenter König mit Sinn für die Genüsse des Lebens. Während der Festtage wird Re Giorgio mit Umzügen, Shows und theatralischen Momenten gefeiert.
Am Ende des Karnevals kommt jedoch der symbolischste Moment: Re Giorgio wird auf dem Platz vor der Menge „vor Gericht gestellt“ und für alle Laster und Exzesse des Jahres verantwortlich gemacht. Nach dem Urteil wird die Puppe in einem großen Feuer verbrannt. Dieses Ritual markiert das Ende des Karnevals und die Rückkehr in den Alltag, steht aber auch für eine symbolische Reinigung und einen Neuanfang.
Tempio Pausania ist nicht nur Karneval. Der Ort ist von hügeligen Landschaften und Wäldern umgeben und ein perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge auf Sardinien, zwischen Natur und spektakulären Panoramen. Nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt könnt ihr zum Monte Limbara hinauffahren, einem der wichtigsten Gebirgsmassive im Norden der Insel. Dort findet ihr verschiedene Wege durch Korkeichen- und Steineichenwälder, ideal für einen ruhigen Spaziergang oder eine panoramareiche Wanderung. Von den höheren Bereichen genießt ihr weite Ausblicke über die Gallura und könnt an klaren Tagen sogar die Küste erkennen.
Ottana und die Masken der Tradition
Der archaischste und eindrucksvollste Karneval
Im Herzen der Provinz Nuoro, umgeben von offenen Landschaften und Hochebenen, bewahrt das Dorf Ottana einen der ältesten und symbolträchtigsten Karnevale Sardiniens. Hier hat das Fest nichts Leichtes oder Ironisches: Es ist ein kraftvolles, beinahe theatralisches Ritual, das die tiefe Verbindung zwischen Mensch, Tier und Erde erzählt.
Die Protagonisten des Karnevals von Ottana sind die boes und die merdules, maskierte Figuren, die durch die Straßen ziehen, begleitet vom Klang der Glocken. Die boes tragen dunkle, handgeschnitzte Holzmasken, die Ochsengesichter mit intensiven, fast unheimlichen Ausdrücken darstellen. Auf dem Kopf tragen sie Schafsfelle, am Körper schwere Glocken, die bei jedem Schritt tief dröhnen.
An ihrer Seite sind die merdules, die die Hirten darstellen. Sie tragen einfachere Masken und führen Stöcke oder Seile mit sich. Während des Umzugs versuchen sie, die boes zu lenken und zu bändigen, wodurch eine dynamische und symbolische Szene entsteht. Die boes wehren sich, bewegen sich unregelmäßig und schütteln ihre Glocken, während die merdules versuchen, sie unter Kontrolle zu bringen.
Die Atmosphäre während des Umzugs ist intensiv und eindrucksvoll. Die Straßen füllen sich mit dem Klang der Glocken und den Bewegungen der Masken, und es entsteht eine Szene, die fast außerhalb der Zeit zu liegen scheint. Keine moderne Musik, keine Festwagen: Alles dreht sich um das Ritual, die Masken und ihre Symbolik.
In der Umgebung ist die Landschaft weit und still. Die Hochebene von Abbasanta, nicht weit entfernt, bietet grüne Weiten, Weiden und ruhige Straßen, perfekt für eine Pause in der Natur während eurer Wohnmobilreise. Das ist eine ideale Gegend für alle, die Authentizität und offene Räume suchen, fernab der touristischsten Routen.
Was man während des sardischen Karnevals probieren sollte
Traditionelles Gebäck und saisonale Aromen
Während eurer Ausflüge auf Sardinien in der Karnevalszeit werdet ihr viele typische Süßspeisen finden, die speziell zu diesem Anlass zubereitet werden.
Zu den beliebtesten gehören die zippole: lange, duftende Krapfen mit Orange oder Zitrone, oft mit einem Schuss Tresterbrand aromatisiert. In manchen Gegenden heißen sie frisgioli oder cattas.
Dazu kommen orillettas, dünne, frittierte Teigbänder mit Honig, sowie tiliccas, Süßigkeiten gefüllt mit Mandelmasse und Orangenschale.
Diese Aromen erzählen von der bäuerlichen Tradition der Insel und machen den Karneval für Reisende mit dem Wohnmobil noch besonderer.
Fazit
Karneval auf Sardinien ist ein intensives Erlebnis, ganz anders als gewohnt. Es ist nicht nur ein Fest, sondern eine Reise in die Geschichte und in die tiefsten Traditionen der Insel.
Wenn ihr mit dem Wohnmobil, Campervan oder Caravan unterwegs seid, könnt ihr eine einzigartige Route zusammenstellen: An einem Tag erlebt ihr den Umzug der mamuthones, am nächsten folgt ihr der Sartiglia, und danach legt ihr einen Stopp auf einem Agriturismo oder bei einem Weingut ein, um zwischen Natur und Stille zu entspannen.
Dank agricamper könnt ihr unbegrenzt und kostenlos 24 Stunden bei landwirtschaftlichen Betrieben in ganz Italien stehen. Das ist die perfekte Lösung für Wohnmobilisten und Reisende, die den direkten Kontakt zur Region lieben.
Bevor ihr losfahrt, ladet die Agricmaper-App herunter und testet die kostenlose Demo-Version. Ihr könnt die Karte erkunden, sehen, wo sich die Stopps befinden, und anfangen, von eurer nächsten Reise zu träumen.
Wenn ihr bereit seid, kauft die Jahresmitgliedschaft und macht euch auf, das authentischste Italien zu entdecken: zwischen ländlichen Landschaften, lokalen Traditionen und unvergesslichen Begegnungen.




