Das Vorurteil: „Camping ist Umweltverschmutzung“
Viele verbinden den Camper automatisch mit hohem Verbrauch und damit mit einem großen CO₂-Fußabdruck. Dabei wird oft übersehen: Eine Reise ist nicht nur Transport, sondern auch Unterkunft, Infrastruktur und das Verhalten vor Ort.
Genau deshalb betrachten die wichtigsten Tourismus-Studien eine Lebenszyklusanalyse: Herstellung des Fahrzeugs, gefahrene Kilometer, Art der Übernachtung, Energie für Heizung/Klimatisierung, Wartung und Lebensende/Entsorgung.
Wenn man den gesamten Zyklus einbezieht, zeigt Caravanning (Wohnmobil oder Pkw + Wohnwagen) insgesamt häufig eine bessere Klimabilanz als klassische Hotelurlaube – besonders für Paare und Familien.
Was Studien zur Klimabilanz sagen: Wohnmobil vs Auto + Hotel vs Flug
Das deutsche Institut IFEU (Institute for Energy and Environmental Research) hat unterschiedliche Urlaubsformen verglichen – inklusive Hin- und Rückreise, Mobilität vor Ort, Übernachtungen sowie sogar Herstellung und Entsorgung von Freizeitfahrzeugen.
- In einem typischen Szenario für zwei Personen zur Insel Rügen (Deutschland) ist ein Urlaub mit Wohnmobil oder Wohnwagen in Sachen CO₂ vorteilhafter als die Anreise mit dem Auto mit Hotelübernachtung.
- Die höheren Emissionen des Wohnmobils während der Fahrt (Gewicht und Größe) werden mehr als ausgeglichen durch die deutlich geringeren Emissionen der Unterkunft auf dem Campingplatz oder am Stellplatz im Vergleich zum Hotel.
- In derselben Studie schneidet ein Urlaub mit dem Wohnmobil für das Klima besser ab als ein Flug mit Hotelaufenthalt in Südfrankreich. Eine Übernachtung auf einem spezialisierten Stellplatz ist dabei noch vorteilhafter als klassisches Camping.
Fazit: Wenn wir reale Reisen vergleichen (und nicht nur „Liter pro 100 km“), haben Wohnmobile und Wohnwagen einen geringeren Klima-Fußabdruck als die Kombination Auto + Hotel und als Flugurlaub + Hotel.
Die Unterkunft: Warum Camping und Agricamping das Hotel schlagen
Die Unterkunft ist das große „Geheimnis“, das das Reisen mit dem Camper aus ökologischer Sicht so konkurrenzfähig machen kann.
ADEME (die französische Agentur für ökologische Transformation) hat den Fußabdruck von vier großen Unterkunftskategorien verglichen und dabei kg CO₂-Äquivalente pro Nacht berechnet.
- 1 Nacht in einer Zweitwohnung: etwa 7 kg CO₂e pro Person.
- 1 Nacht im Hotel: etwa 5,3 kg CO₂e pro Person.
- 1 Nacht in einer Ferienwohnung oder einem Ferienhaus: etwa 5,2 kg CO₂e pro Person.
- 1 Nacht auf dem Campingplatz: nur 1,4 kg CO₂e pro Person (rund 3–4 Mal weniger als ein Hotel).
Warum ist Camping klimafreundlicher?
- Leichtere Infrastruktur, weniger Beton und weniger Volumen, das beheizt/gekühlt werden muss.
- Weniger energieintensive Gemeinschaftsbereiche (Flure, Lobby, Aufzüge, Spa, große Hallenbäder).
- Mehr naturnahe Lösungen und zunehmend erneuerbare Energien sowie stromsparende Beleuchtung.
Ein Wohnmobil, das auf einem Campingplatz oder Agricamping steht, profitiert somit von dieser „leichten“ Infrastruktur: Die Unterkunft fällt deutlich weniger ins Gewicht als ein klassisches Hotelzimmer.
Wohnmobil vs andere Urlaubsformen: wichtige Kennzahlen
Studien zum Caravanning zeigen, dass das Wohnmobil besonders effizient ist, wenn zwei oder mehr Personen gemeinsam reisen.
- Laut Analysen, auf die CIVD und das Öko-Institut verweisen, verursacht eine Reise mit Wohnmobil oder Wohnwagen weniger klimaschädliche Emissionen als ein gleich langer Urlaub mit Flug und Hotelaufenthalt.
- Die CIVD-Mitteilung berichtet, dass ein Hotel pro Person und Nacht bis zu 10 Mal mehr CO₂ ausstoßen kann als ein Campingplatz oder ein Stellplatz für Wohnmobile.
- Wenn ein Wohnmobil von einer Familie (3–4 Personen) genutzt wird, sinken die Emissionen pro Person und Kilometer deutlich. Dadurch ist das Wohnmobil auch gegenüber Auto + Hotel konkurrenzfähig und liegt in manchen Szenarien nicht weit hinter Kombinationen aus Zug + Hotel.
Ergebnis: Je länger der Aufenthalt und je stärker man die „leichte“ Unterkunftsform Camping nutzt, desto interessanter wird das Reisen mit dem Wohnmobil aus ökologischer Sicht – im Vergleich zu anderen Formen des Massentourismus.
Warum das Wohnmobil wirklich nachhaltig sein kann (wenn man es richtig nutzt)
Reisen mit dem Wohnmobil ist nicht automatisch „grün“, bietet aber viele Hebel, um die Umweltwirkung zu reduzieren.
- Weniger schwere Infrastruktur: Es braucht keine großen Hotels oder Resorts; gut ausgestattete Plätze, Bauernhöfe und kleine Agricampings mit minimaler Infrastruktur reichen aus.
- Ein bewusst sparsamer Lebensstil an Bord: begrenzte Wasservorräte, endliche Batteriekapazität, weniger Verschwendung (kürzere Duschen, Licht aus, gezieltes Heizen/Kühlen).
- Dezentraler, ländlicher Tourismus: Das Wohnmobil verteilt Besucherströme, reduziert den Druck auf überfüllte Ziele und stärkt lokale landwirtschaftliche Wirtschaftskreisläufe.
- Erneuerbare Energie an Bord: Photovoltaik-Solarmodule und intelligente Energiemanagement-Systeme werden bei Campern immer verbreiteter.
Wer langsamer reist, vermeidet, in wenigen Tagen Tausende Kilometer zu fahren, und bevorzugt leichte Strukturen wie Campingplätze und Agriturismi, verbessert die Klimabilanz der Wohnmobilreise zusätzlich.
Wo Agricamper ins Spiel kommt: Wohnmobil, Landwirtschaft und sanfter Tourismus
Das Modell Agricamper passt perfekt zu dieser Idee eines verantwortungsvolleren und klimafreundlicheren Tourismus.
- Agricamper-Stopps finden bei bereits bestehenden landwirtschaftlichen Betrieben, Agriturismi, Weingütern und anderen ländlichen Gastgebern statt: Es müssen keine neuen Hotels oder Ferienanlagen gebaut werden – vorhandene Flächen und Strukturen werden sinnvoll genutzt.
- Die Aufenthalte sind auf wenige Fahrzeuge begrenzt. Das reduziert die Belastung für die Umgebung im Vergleich zu großen Campingplätzen oder Feriendörfern und fördert dezentralen statt konzentrierten Tourismus.
- Reisende kaufen lokale Produkte (Wein, Olivenöl, Käse, Obst, Gemüse), unterstützen damit direkt die Landwirtschaft und reduzieren den Bedarf an langen, energieintensiven Lieferketten.
- Viele Agricamper-Gastgeber setzen auf umweltbewusste Praktiken: nachhaltige Landwirtschaft, Schutz der Kulturlandschaft sowie eine sorgfältige Wasser- und Abfallwirtschaft.
Praktisch verbindet Agricamper die Klimavorteile des Campings (geringer Fußabdruck pro Nacht) mit den Vorteilen des ländlichen Tourismus, der Landschaften, Biodiversität und lokale Gemeinschaften stärkt.
So wird Ihre Wohnmobilreise noch „grüner“
Wer mit dem Wohnmobil reist, kann die eigene Wirkung mit einigen konkreten Entscheidungen weiter senken.
- Kürzere Routen und längere Stopps planen – und vermeiden, in wenigen Tagen Hunderte Kilometer zu fahren.
- Mit Familie oder Freunden gemeinsam reisen: Je mehr Personen an Bord, desto weniger CO₂ pro Person.
- Kleine Campingplätze, Agricampings und ländliche Stopps bevorzugen statt sehr energieintensiver Anlagen (große Resorts, Mega-Feriendörfer mit aufwendiger Infrastruktur).
- Solarmodule installieren und LED-Licht nutzen, Heizung und Klimaanlage reduzieren, Wasser und Abfall bewusst managen und die Natur am Stellplatz respektieren.
Die Kombination aus Freizeitfahrzeug und guten Alltagsgewohnheiten macht den Unterschied zwischen „einfach bequem“ und wirklich nachhaltig.
Rangliste: von den klimaschädlichsten bis zu den nachhaltigsten Urlaubsformen
Auf Basis verfügbarer Daten (CO₂ aus Transport + durchschnittliche Wirkung der Unterkunft) ist dies eine orientierende Zusammenfassung der wichtigsten Urlaubsformen – von weniger bis mehr nachhaltig.
Orientierende Tabelle (höchster Fußabdruck → niedrigster)
Diese Rangliste ist nur als Orientierung zu verstehen und hängt immer von gefahrenen Kilometern, Reisedauer, Personenzahl und individuellem Verhalten ab. Das Gesamtbild ist jedoch klar: Das Reisen mit dem Wohnmobil – besonders mit Stopps bei Agricamper-Gastgebern oder anderen Agricampings – gehört aus Klimasicht zu den verantwortungsvollsten Urlaubsoptionen.




